Die Entwicklung der japanischen Forstpolitik und Holzindustrie mit den Berührungspunkten japanischen Forstwirtschaft und Deutschland im Mittelpunkt

Servus,

ich halte diesen Artikel über “Die Entwicklung der japanischen Forstpolitik und Holzindustrie mit den Berührungspunkten japanischen Forstwirtschaft und Deutschland im Mittelpunkt.”
(aber einfach)

Diese Präsentation habe ich im 2012 in Freising vorgestellt.

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Das ist ein Überblick über meinen Vortrag.
Zuerst möchte ich Ihnen einfach ein bisschen über die aktuelle Lage der japanischen Forstwirtschaft erzählen und anhand der Geschichte und der Berührungspunkte mit Deutschland erklären, wie sie entschtanden ist und in welche Richtung sie geht.

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über die Geographie von Japan.
Japan erstreckt sich länglich von Nord nach Süd und es hat steile Berge bis 3000 m, die die Küsten des Japanischen Meeres im Norden und des Pazifiks voneinander trennen.
Die Topographie von Japan ist also kompliziert.
Außerdem hat Japan viele verschiedene Klimazonen.
Wegen der verschiedenen Klimazonen kommen in Japan auch viele verschiedene Wälder vor.
Weil es in Japan überall genug Niederschlag gibt, können Bäume überall wachsen.
Auf diesem Satellitenbild sieht man auch gut, dass es in Japan sehr viel Wald gibt.
Die Hauptstadt Tokyo liegt Kyoto, das für das Kyoto-Protokoll bekannt ist, und Fukushima, wo letztes Jahr die Erdbeben- und Atomkatastrophe passiert sind.

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Jetzt möchte ich kurz etwas zur japanischen Geschichte sagen.
Die Japaner haben in der Joumon-Ära angefangen, den Wald zu nutzen, aber hauptsächlich für Brennholz und um Früchte von den Bäumen zu essen.
Danach wurde Holz als Dünger für Reisfelder und später auch für den Bau von Tempeln verwendet.
Seitdem wurden viele große Bauwerke aus Holz gebaut.
Der Houryuuji-Tempel in Nara, der auch Weltkulturerbe ist, ist weltweit bekannt als das älteste Bauwerk aus Holz.
Er ist aus japanischer Zypresse.
Ab 1185 wurde Japan 700 Jahre lang von Kriegern, den Samurai, regiert.
In der feudalistischen Gesellschaft wurden viele große Burgen gebaut, wodurch die Nachfrage nach Holz ebenfalls anstieg.
Dabei wurden die Wälder nicht nur abgeholzt, sondern auch neue Bäume gepflanzt.
In den ältesten Aufzeichnungen über gepflanzte Bäume aus der Muromachi-Zeit steht, dass japanische Kiefern und Zypressen gepflanzt wurden.
Doch die Abholzung überwog bis ungefähr 1700.
In der Edo-Zeit, in der Tokyo zur Hauptstadt Japans wurde, wurde eine Regierung namens „Bakufu“ errichtet, die über 260 Jahre stabil war.
In dieser Zeit wurde die Abholzung begrenzt und es gab eine Politik des Waldschutzes, so dass die Wälder sich erholen konnten.
In der Meiji-Zeit gab es aber viel Verwirrung in der Politik und die Bergwälder wurden wieder zerstört.
Um 1870 endete die Herrschaft der Krieger, der internationale Austausch nahm stark zu und Japan wurde auf einen Schlag modernisiert.
Bei dieser Modernisierung kam es zu einem Einfluss von Deutschland auf die japanische Forstwirtschaft.
Vor allem die Gesetze und die Technik wurden beeinflusst.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg durch den Wiederaufbau die Nachfrage nach Holz plötzlich stark an.
Deshalb ließ die Politik natürliche Laubwälder abholzen und pflanzte dort unnatürliche reine Nadelwälder.
Es wurde eine Politik der großräumigen Aufforstung verfolgt.
Der Gedanke hinter dieser Aufforstungspolitik, die Idee des „Normalwaldes“ kommt auch aus Deutschland.
Allerdings wurde danach der Holzmarkt offener für Importe, so dass das Holz aus dem Ausland gefragter war als das teure Holz aus dem Inland.
Gleichzeitig wurde Brennholz für den Haushalt durch fossile Brennstoffe ersetzt und Holz verlor sowohl als Brennstoff als auch als Baumaterial an Wert.
Dadurch wurde die japanische Forstwirtschaft schwächer.
Die ungenutzten Nadelwälder wurden vernachlässigt und ohne die nötige Ausdünnung und ähnliche Eingriffe verloren die Wälder ihre Funktion und verwilderten.
Das aktuelle Forstgesetz wurde übrigens 1951 zum ersten Mal beschlossen.
Die Erdbebenkatastrophe letztes Jahr hatte auch große Auswirkungen auf die Forstwirtschaft, aber darüber spreche ich später.
Soviel zur Geschichte der japanischen Forstwirtschaft.

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Ich möchte kurz die aktuelle Situation mit Deutschland vergleichen.
Deutschland und Japan haben fast die gleiche Fläche, aber die Waldfläche unterscheidet sich sehr. In Japan sind ca. 70% der Fläche Wald.
Aber die jährlich produzierte Menge an Holz beträgt nicht mal ein Drittel der Menge in Deutschland.
Warum ist das so?
Viele Wissenschaftler haben dafür viele Theorien, zum Beispiel, dass vor allem die topographischen Voraussetzungen unterschiedlich sind.
In Japan wächst wegen dem subtropischen Klima und viel Niederschlag viel Unkraut, deshalb ist es schwierig und aufwändig, Forstwirtschaft zu betreiben.
Außerdem befindet sich ein Großteil der japanischen Wäldern auf steilen Berghängen, auf denen es nur wenige Forstwege gibt.
In Japan gibt es nur wenige Hochleistungsmaschinen für die Waldarbeit und die Forstwirtschaft ist zu abhängig von Subventionen.
Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten mit Deutschland, z.B. dass es sehr viele Kleinprivatwaldbesitzer gibt.

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Jetzt möchte ich ein bisschen die aktuelle Lage der japanischen Forstwirtschaft beschreiben.
In Japan gibt es drei Arten von Waldbesitz.
30% der Waldfläche sind Staatswald, 60% sind Privatwald und 10% Körperschaftswald.

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Man kann die Wälder außerdem in natürliche oder vom Menschen gepflanzte Wälder unterteilen.
Natürliche Wälder machen ca. 60% aus, davon sind 80% Laubwälder.
Rund 40% sind gepflanzte Wälder, die hauptsächlich für die Holzproduktion genutzt werden.
In diesen Wäldern sind ca. 90% Nadelbäume, zum Beispiel japanische Zeder oder Zypresse.
In Japan gibt es nur noch sehr wenige Urwälder.

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Das ist eine Grafik über die Struktur der Altersstufen in den gepflanzten Wäldern.
5 Jahre werden als eine Altersstufe angenommen.
Wie man sieht, konzentriert sich das Alter der japanischen Wälder auf 30 – 50 Jahre.
Im Moment ist noch die Generation der Bäume, die in den Fünfziger und Sechziger Jahren durch die große Aufforstungspolitik gepflanzt wurden.
In Japan werden Bäume normalerweise nach 50 Jahren gefällt, so dass in 10 Jahren große Mengen an Bäumen gefällt werden müssten.
Dazu gibt es keine Grafik, aber das gesamte Holzvorkommen, besonders in den gepflanzten Wäldern, nimmt jedes Jahr zu und wird auf ungefähr 4 Milliarden Kubikmeter geschätzt.

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Seit 1990 lag die verarbeitete Holzmenge bei ungefähr 100 Millionen Kubikmeter, aber derzeit liegt es nur bei 70 Millionen Kubikmeter.
Gründe dafür sind, dass die Nachfrage nach Holz als Baumaterial und die Bevölkerungszahl sinkt.
Die Tendenz für die Verwendung von Holz ist deshalb abnehmend.
Außerdem sind knapp 80% des in Japan verwendeten Holzes aus dem Ausland und nur knapp 30% aus dem Inland.

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Woher kommt das importierte Holz?
Das meiste Holz kommt aus Kanada, Australien, Russland, den USA, Malaysia und Europa.

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Die Holzindustrie an sich hat in Japan eine lange Geschichte.
Schon in der Nara-Zeit wurde mit Brennholz gehandelt.
Da es in Japan schon immer sehr viel Wald gab, hat Holz als Baumaterial eine große Bedeutung.
Vom heutigen Holzangebot werden ca. 40% als Baumaterial genutzt und hier gibt es noch Potenzial für eine Steigerung.
Was Sägewerke angeht, nimmt heute die Anzahl kleiner Sägewerke ab und das Holz wird zunehmen von großen Sägewerken verarbeitet.

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Ich komme jetzt zu einem anderen Thema und möchte ganz kurz etwas zur japanischen Politik sagen.
Japan ist dafür bekannt, dass der Premierminister sehr oft wechselt.
Aktuell regiert die Demokratische Partei, aber insgesamt sind im Parlament 17 Parteien vertreten.
Mit dieser Grafik möchte ich nur zeigen, dass die Politik in Japan so kompliziert ist, dass sie selbst Japaner verwirrt.
Deshalb können auch politische Beschlüsse nur sehr schwer und langsam umgesetzt werden.

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Der vorige Premierminister Kan, ebenfalls von der Demokratischen Partei, hat in seiner Amtsantrittsrede die Forstwirtschaft erwähnt und betont, wie wichtig es ist, sie wieder zu beleben.
Es war das erste Mal, dass Forstwirtschaft in einer Amtsantrittsrede eines Premierministers erwähnt wurde.
Das zeigt, dass der japanischen Forstwirtschaft wichtige Veränderungen bevorstehen.
Die Demokratische Partei hat darauf den sogenannten „Regenerationsplan für Wälder und Forstwirtschaft“ entworfen.
Dieser beinhaltet, dass die Verwendung von im Inland produzierten Holz auf 50% angehoben werden soll.

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Die Ziele des Plans sind, die Verwendung von inländischem Holz in 10 Jahren auf über 50% zu steigern.

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Mit welchen Maßnahmen können die Ziele erreicht werden?
Es müssen mehr und größere Forstwege gebaut werden, kleine Wälder in Gruppen zusammengeschlossen werden und Förster ausgebildet werden, damit eine stabile Holzversorgung erzielt werden kann.
Dieser ganze Plan ist sehr von der deutschen Forstwirtschaft beeinflusst.
Der vorige Premierminister Kan soll einige Male in Deutschland gewesen sein, um mehr über die deutsche Forstwirtschaft zu lernen.
Auch die Wissenschaftler, die an diesem Plan gearbeitet haben, haben sich an Deutschland orientiert.
Besonders die Pläne für die Ausbildung von Waldarbeitern und die Logistik der Holzversorgung sind vom deutschen System beeinflusst.
Aber es gibt auch Probleme.
In Japan gibt es viele Wälder, von denen die Besitzer oder die Grenzen unbekannt sind.
Viele Waldbesitzer kümmern sich nicht um ihren Wald, da sie nicht genug daran verdienen.
Die Vergrößerung des Forstwegesystems und ein Zusammenschluss der Wälder sind nur möglich, wenn die Waldbesitzer bekannt sind.
Das Interesse an der Holzverwendung und der Regeneration der Forstwirtschaft steigt insgesamt aber.

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Allerdings, wie Sie sicher alle wissen, gab wes letztes Jahr am 11. März eine große Katastrophe.
Ein Erdbeben der Stärke 9,0 löste einen Tsunami und eine Atomkatastrophe aus.
Über 20.000 Menschen sind tot oder vermisst.
Fast 400.000 Gebäude wurden zerstört und insgesamt wird der Schaden auf 250 Milliarden Euro geschätzt.

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Diese Katastrophe hat auch große Auswirkungen auf die Wälder und die Forstwirtschaft.
Die Schutzwälder an den Küsten Ostjapans wurden fast komplett zerstört und Wälder in großen Gebieten sind radioaktiv verstrahlt.
Außerdem sind 30% der japanischen Produktionsorte für Sperrholz vom Tsunami weggeschwemmt worden und die Transportkette für Holz wurde unterbrochen.
Das obere Foto zeigt die verwüsteten Schutzwälder an den Küsten.
Das untere Bild zeigt einen wegen der Strahlung mutierten Schmetterling.

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Zuletzt noch eine kurze Zusammenfassung.
Japan ist derzeit unter den Ländern mit der größten Waldfläche.
Es gibt noch viele Probleme mit Forstwegen und der zu großen Importmenge, doch es gibt auch große Möglichkeiten für die Zukunft der japanischen Forstwirtschaft.
Im Moment wird mit dem neuen Regenerationsplan eine veränderte Forstwirtschaft angestrebt.
Dabei können auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden, was zum Wirtschaftswachstum beitragen kann.
Holz kann auch als eine Möglichkeit für erneuerbare Energie beim Atomausstieg eine Rolle spielen.
Dabei kann die deutsche Forstwirtschaft weiterhin ein Vorbild für die japanische Forstwirtschaft sein.

vielen Dank

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